Was verstehen wir unter dem Begriff Landsorte?

Landsorten sind traditionelle, an die jeweiligen Regionen angepasste Sorten. Sie haben sich im Laufe vieler Generationen durch Umweltselektion sowie durch bewusste oder unbewusste Auslese der Bäuerinnen und Bauern entwickelt. Landsorten sind genetisch uneinheitlich und zeichnen sich oft durch ein großes ökologisches Pufferungsvermögen aus. In ihrer Region sind sie ertragssicher, im Vergleich mit modernen Hochleistungssorten jedoch weniger ertragreich. Aufgrund ihrer genetischen Vielfalt haben sie das Potenzial, sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen.

Landsorten sind die Stammeltern der modernen Hochleistungssorten. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Zuchtsorten durch Auslese und Formentrennung aus ihnen entwickelt. Jedoch wurde damals nur ein Teil der ursprünglichen Varianten in der Züchtung verwendet. Somit bergen sowohl Landsorten als auch frühe Zuchtsorten aufgrund ihrer genetischen Vielfalt Potenziale für die zukünftige Pflanzenzüchtung und sind wertvolle genetische Ressourcen.

Was verstehen wir unter dem Begriff alte und gefährdete Sorte?

Der Begriff „alte und gefährdete Sorte“, ist eine Sorte, die nach dem Saatgutverkehrsgesetz aktuell nicht zugelassen und im Saatguthandel nicht verfügbar ist, aber in historischen Quellen oder der „Roten Liste Kulturpflanzen“ dokumentiert ist.

Was verstehen wir unter Zuchtsorten?

Zuchtsorten entstehen durch planmäßige, wissenschaftlich fundierte Züchtungsverfahren. Sie zeichnen sich durch gezielt herbeigeführte, definierte Eigenschaften wie hohe Erträge, Einheitlichkeit oder spezifische Resistenzen aus.

Je nach Vermehrungsweise des Saat- und Pflanzguts gibt es vier Züchtungskategorien für Zuchtsorten: Dies sind Linienzüchtung (bei Selbstbefruchtern wie Weizen), Populationszüchtung (bei Fremdbefruchtern wie Roggen), Hybridzüchtung (vorrangig bei Fremdbefruchtern, z. B. Hybridroggen) und Klonzüchtung (bei vegetativ vermehrten Arten wie Kartoffeln).

Quelle: Becker, Heiko 2011: Pflanzenzüchtung, 2. überarbeitete Auflage, Ulmer UTB 1744, S. 253 ff.

Verlust von Vielfalt

Die Vielfalt landwirtschaftlicher Kulturpflanzen hat sich aus verschiedenen Gründen im 20. Jahrhundert drastisch reduziert. 75% der Kultursorten gelten laut FAO inzwischen als ausgestorben, viele Arten und Sorten als mehr oder minder stark gefährdet.

Dabei erstreckt sich die Gefährdung  sowohl auf die Artenvielfalt, innerartlich auf den Erscheinungstyp und auf die genetische Vielfalt. Für gartenbaulich genutzte Kulturpflanzen wird der Gefährdungsgrad mit einem erarbeiteten Verzeichnis, Rote Liste Gemüse inzwischen dokumentiert, für landwirtschaftliche Arten fehlt eine derartige Übersicht noch.

In Mitteleuropa ist durch die Intensivierung und Modernisierung der Landwirtschaft und saatgutrechtliche Normen eine besondere Einschränkung landwirtschaftlicher Sorten auf ertragreiche, stark homogene und genetisch enge Sorten und Typen erfolgt.

Weitgehend verschwunden sind die typischen regionalen Landsorten und davon abgeleitete frühe Zuchtsorten. Verloren gingen auch Arten wie Emmer, Rauweizen und Einkorn, sowie Unterarten wie z.B. Fahnenhafer und Imperialgersten.

Ziele und Aufgaben des Netzwerks

Das Getreidenetzwerk des VERN hat sich zum Ziel gesetzt, in Sammlungen und teilweise auf Betrieben noch regional vorhandene Getreidesorten zu sichten, diese wieder in Anbau und Verarbeitung zu nehmen.

Dies stellt einen Beitrag zur sogenannten. on-farm-Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen im Sinne des FAO-Vertrags zu pflanzengenetischen Ressourcen dar. Eine zweckmäßige Standortanpassung soll ermöglicht sowie die freie Verfügbarkeit dieser Varietäten gesichert werden.

Im Netzwerk arbeiten landwirtschaftliche Betriebe in mehreren Bundesländern auf Mitgliedsbasis zusammen. Die Regeneration von Sorten aus Sammlungen, deren Sichtung, Vermehrung und Anbauprüfung erfolgt kooperativ unter Nutzung und in Abstimmung mit weiteren Partnern (HNEE, LELF-BB, bayr. LfL, LWK NRW).

Vorrangig sollen Landsorten verschiedener Regionen und frühe Zuchtsorten europäischer Pflanzenzüchter auf landwirtschaftlichen Betrieben in dynamischer Erhaltungszucht bewahrt und sanft weiterentwickelt werden. Das Netzwerk ist auf vertraglicher Grundlage offen für weitere Betriebe.

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